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Nachhaltiger Luxus oder luxuriöse Nachhaltigkeit? Über Rebellion, Zugänglichkeit und Kreativität

Woran denkst du, wenn du das Wort Luxus hörst? An ein glamouröses Sofa vielleicht? An einen Second Hand Rucksack ja eher nicht … Wie soll ein „alter“ Rucksack bitte als Statussymbol verwendet werden? So kennen wir doch Luxus – gewollt eben: Der Käufer fühlt sich aufgrund bestimmter Produkte einer Gruppe zugehörig, stellt diesen Konsum gerne zur Schau, damit er auf jeden Fall gesehen und bewundert wird, er definiert sich im schlimmsten Fall sogar über den Wert seiner Luxusartikel. Aber ist diese Art von Luxus, wie sie uns ursprünglich bekannt ist, eventuell ein Auslaufmodell? Kann es sein, dass bestimmte nachhaltige Produkte jetzt zum Statussymbol werden? Ganz nach dem Motto „Schau her, ich kann mir diesen nachhaltig hergestellten Rucksack leisten! Und jaaa, Nachhaltigkeit ist mir wirklich wichtig, dafür gebe ich gerne Geld aus!“? Aber ist das unbedingt gut oder schlecht? Ist das überhaupt möglich – oder muss Luxus automatisch mit rücksichtsloser Ressourcenvernichtung gleichgesetzt werden? Oder ist wahrer Luxus eigentlich dann erst luxuriös, wenn er die Umwelt möglichst wenig belastet? Wie so oft im Themengebiet Nachhaltigkeit ist es viel einfacher, Fragen zu stellen. Genau deswegen will dieser Artikel kreative Gegenfragen stellen.

Nachhaltigkeit ist tatsächlich schon länger Thema im Luxusbereich. Allerdings waren das lange eher unauffällige Projekte, die nicht an die Öffentlichkeit getragen wurden. Langsam aber sicher wird Engagement in diesem Bereich vermehrt hervorgehoben, werden Bemühungen transparent gemacht, wird Nachhaltigkeit zum präsenten Schlüsselthema. Unternehmen erkennen: Eventuell birgt vor allem das Luxussegment besonderes Potential für umweltverträgliche Produkte.

Gleichzeitig kommt die Innovation des nachhaltigen Luxus auf, die luxuriöse Nachhaltigkeit etabliert sich. Diese Rebellion gegen achtlosen Konsum von Luxusprodukten, die unter unfairen und umweltschädlichen Bedingungen hergestellt wurden, führt zu einer neuen Definition von Luxus: Plötzlich misst sich wirklich luxuriöse Ware an Herkunft, Material und Herstellungsprozess. Plötzlich ist der Grund für Konsum, dass man die Werte des Unternehmens teilt und dessen Ziele unterstützen will. Plötzlich geht die Tendenz klar dahin, nicht nur schöne, sondern gute Produkte zu konsumieren.

Mit dem scheinbaren Gegenteil wirbt ein schwedisches Einrichtungshaus für seine preiswerten und offenbar nachhaltig produzierten Möbel – „Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein“. Die Aussage leuchtet ein: Der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit umfasst die Minimierung von Ungleichheit, eine Verfügbarkeit für jeden, einen gleichberechtigten Zugang zu genau dieser Nachhaltigkeit. Der Haken: Ein Einkauf, bei dem voll auf nachhaltig hergestellte Produkte gesetzt wird, würde eventuell doppelt so viel kosten wie ein Einkauf, bei dem nicht auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Wer ist da bereit, diesen hohen Preis zu zahlen? Andererseits: Wer ist bereit, in ein paar Jahren den Preis der Folgen von keiner Nachhaltigkeit zu zahlen?

Das Problem ist unübersehbar; nachhaltig produzierte Ware ist quasi immer teurer als verschwenderisch hergestellte Produkte. Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob man den eher hohen Preis von nachhaltiger Qualität ändern kann. Denn intuitiv würden mindestens Schwaben wie ich nach der billigeren Ware greifen, billigere Alternativen gibt es zum Glück immer – oder sollte ich sagen, leider? Es ist so wichtig, aufzuzeigen und sich selbst bewusst zu machen, dass es diese preiswerteren Optionen nicht für immer geben kann. Vielleicht sind die einen Produkte nicht zu teuer, sondern die anderen zu billig, weil die Folgekosten der Nicht-Nachhaltigkeit nicht eingepreist werden… Und dann muss ich meine Frage eventuell anders formulieren: Muss nicht der Preis, sondern die Sicht derer, die den Preis zahlen, verändert und in Relation gesetzt werden?

Allgemein kann wahrscheinlich festgestellt werden, dass ein nachhaltiger Lifestyle vor allem Studierenden ein ziemlich großes Anliegen ist. Allerdings ist genau diese Gruppe an jungen Leuten nicht gerade dafür bekannt, Unmengen an Geld zur Verfügung zu haben… Diesen Lebensstil will man den jungen Erwachsenen natürlich nicht vorenthalten, sie lassen sich diese Lebensart auch gar nicht nehmen! Denn, wie sagt man so schön, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Mir kommt das Stichwort Prioritäten Setzen in den Sinn. Denn wie sagt man außerdem: Not macht erfinderisch. Oft liegen solche Erfindungen gar nicht weit entfernt. Ein kurzer Blick auf die Kreativität derer, die bereit sind, einen Preis für die Nachhaltigkeit zu zahlen, aber nicht besonders viel Geld haben (dafür einen umso stärkeren Willen), zeigt, dass es auch kostenlos geht. Am Beispiel „foodsharing“ sieht man, dass es überhaupt kein Luxus sein muss, authentisch einen nachhaltigen Konsum zu leben. Hierbei geht es nämlich darum, Lebensmittel, die von Bäckereien und Wochenmärkten nicht verkauft werden, über ein Netzwerk von „foodsavern“ zu retten. Eine Win-Win Situation, die nicht einmal etwas kostet. Diese Idee ist so naheliegend; und trotzdem hat es jemanden gebraucht, der „outside the box“ gedacht hat, um auf dieses simple Prinzip zu kommen. Mit genau diesem kreativen Denken entstehen nachhaltige Lösungen und Ziele.

Was wäre also, wenn wir, wenn du offen für innovative Ideen wärst, mit denen du in deinem Alltag einen nachhaltigen Lifestyle etablieren kannst, für den du zwar einen gewissen Preis zahlen musst (Aufwand, Zeit oder Anstrengung zum Beispiel), aber kein großes Geld? Und gleichzeitig würdest du Nachhaltigkeit als Teil einer luxuriösen Schönheit sehen? Sicher ist, dass ein gesundes und nachhaltiges Leben jedem und jeder zusteht: Nachhaltigkeit ist kein Luxus für wenige, die es sich finanziell leisten können, sondern vielmehr für diejenigen, die es sich kreativ leisten wollen!

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Comments (4)

  1. Steffi

    Was ein spannendes und wichtiges Thema! Sehr informativ und charmant aufbereitet werden verschiedene Aspekte beleuchtet.

    • Marieke Neumann

      Neulich erst die Ikea-Werbung gesehen und mir ähnliche Gedanken gemacht! Guter Artikel!

  2. Deborah

    Mich begeistert diese Sichtweise – und ich bin mir sicher, dass dieser Artikel dazu beiträgt, dass noch mehr Menschen sie teilen!

    • Irais

      Viele Fragen, die jede/r für sich selbst und seine Lebenssituaton beantworten kann.
      Toller Artikel

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